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Gemeinsam Zeit verbringen

Laci Legenstein: Mit 86 Jahren sportlich aktiv

Ladislav Legenstein lächelt verschmitzt. „Nein danke, ich verzichte auf Kaffee“, sagt der 86-Jährige, den alle beim Spitznamen „Laci“ nennen und der sich trotz seines fortgeschrittenen Alters seine geistige und körperliche Frische bewahrt hat. Dass er noch so gut in Form ist, verdankt der frühere Weltklasse-Tennisspieler dem Sport. Jeden Montag steht Laci Legenstein mit seiner Seniorengruppe auf dem Court und jagt die Filzkugel übers Netz. Die aktive Wettkampf-Laufbahn hat er zwar an seinem 80. Geburtstag beendet – doch zum Spaß geht es noch immer auf die Tennis- und Golfplätze der Region. Für seine Fitness erntet der gebürtige Jugoslawe viel Anerkennung, muss aber seine Bewunderer enttäuschen: „Ich habe kein Geheimrezept.“ Nur dieses: Laci Legenstein hat sein ganzes Leben lang Sport getrieben.

Geboren wurde der rüstige Tausendsassa am 19. November 1926 in Čakovec (Tschakathurn), damals Jugoslawien, heute Kroatien. „Ich bin Europäer“, sagt Legenstein, denn seine Wurzeln väterlicherseits liegen in Österreich, die Mutter stammt aus Ungarn. Beide Eltern waren erfolgreiche Tischtennisspieler, lernten sich an der Platte kennen und wurden 1926, im Geburtsjahr ihres Sohnes, Landesmeister im Doppel. Und so war auch Lacis Weg vorgezeichnet. „Čakovec war damals ein 3.000-Einwohner-Örtchen, der Sport war die einzige Möglichkeit der Freizeitgestaltung.“ Aber Legenstein gab sich nicht allein mit Tischtennis zufrieden, sondern spielte auch erfolgreich Fußball (2. Liga), Volleyball (1. Liga) – und Tennis. „Alles, was rund ist, ist meine Stärke“, sagt Legenstein, der sich genau erinnert, wie er zum Tennis kam: „Es gab einen Platz in der Nähe meiner Schule, da durften meine Freunde und ich die Bälle einsammeln. Und wenn die Herrschaften eine Pause machten, durften wir ein paar Bälle übers Netz schlagen.“

Als Legenstein nach Zagreb ging, um Volkswirtschaftslehre zu studieren, und die freie Zeit knapp wurde, musste er sich auf eine Sportart beschränken. Er wählte Tennis, und hat die Entscheidung nie bereut. 1955 kehrte er seinem Heimatland den Rücken und flüchtete nach Deutschland. Er nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an, die ihm die Alpenrepublik aufgrund der Herkunft seines Vaters anbot, und ging für Österreich im Davis Cup an den Start. Mit Anfang 30 startete Legenstein im damals noch nicht ganz so großen Tenniszirkus durch. 1959 besiegte er bei den French Open in Paris den zwölf Jahre jüngeren australischen Ausnahmekönner Rod Laver, der später vier Mal in Wimbledon gewinnen sollte und den Legenstein neben Pete Sampras als besten Spieler in der Geschichte dieser Sportart bezeichnet. „Ich hatte nie einen Trainer, sondern habe mir meine Fähigkeiten von anderen Athleten abgeschaut“, sagt Legenstein. „Die Rückhand war meine Stärke.“

Ein Jahr später triumphierte er bei den Canadian Open in Toronto, erst im Einzel, wenige Stunden später im Doppel. Ranglisten wurden damals nicht geführt, aber nach eigener Einschätzung zählte Legenstein zu den besten vier Doppelspielern der Welt. „Im Einzel war ich wahrscheinlich Top 15.“ Was es in dieser Zeit auch nicht gab: Hohe Preisgelder. „In Kanada habe ich für 120 Dollar Antrittsgeld gespielt. Ansonsten gab es Kofferradios, Pokale und Essensmarken“, sagt der mehrfache Wimbledon-Teilnehmer, der sich zur Studienzeit als Barpianist eine Kleinigkeit dazu verdiente und dieses Talent auch während der großen Tennisturniere nicht verbarg. Kein Wunder, dass dem Frauenschwarm die Damenwelt zu Füßen lag und liegt.

Mitte der 1960er Jahre kam Legenstein in die Rhein-Neckar-Region. Er nahm einen Trainerjob beim Heidelberger TC an, für den er auch aktiv spielte. Auf der Anlage des HTC lieferte er sich packende Trainingspartien mit der jungen Steffi Graf. Anfang der 1970er Jahre begann er, nebenbei auf dem Golfplatz an seinem Handicap zu arbeiten, das zwischenzeitlich bei 9 lag. Laci Legenstein spielte und spielte und spielte. Erst 2007, im Alter von 80 und mit 16 Welt- sowie 85 Europameistertiteln in der Senioren-Altersklasse auf der Visitenkarte, beendete er seine Laufbahn, ohne allerdings Golf- und Tennisschläger an die Wand zu nageln.

Die Frage nach seinem Geheimnis beantwortet er mit einem Achselzucken. „Ich habe immer viel Sport getrieben, das hat mich geistig und körperlich fit gehalten. Ärzte haben nicht viel an mir verdient und die Krankenkasse liebt mich.“ Mit einem Augenzwinkern gesteht Laci Legenstein: „Ich habe immer das gegessen, worauf ich Lust hatte, kein Gemüse, kein Fisch, dafür gerne mal ein Glas Wein. Aber keine Zigaretten!“, betont der 86-Jährige, der sich mit seinen auf 1,69 Meter verteilten 65 Kilogramm sichtlich wohlfühlt.

Welche Zeit in seinem Leben die interessanteste war, kann Legenstein nicht abschließend beantworten. „Alle Phasen sind wichtig, jedes Alter hat seinen Reiz. Ich habe so viele schöne Erinnerungen und freue mich einfach nur, gesund zu sein. Das ist das Wichtigste.“ Auf seine Jugendtage blickt er gerne, aber auch mit etwas Wehmut zurück. „Es war eine schöne Zeit, aber wir hatten viel geringere Entfaltungsmöglichkeiten. So etwas wie einen kostenlosen Bewegungsparcours gab es damals nicht – weder für Jung, noch für Alt. Das ist eine wunderbare Idee und ein tolles Angebot. Ich freue mich darauf, bald einen solchen Parcours zu testen“, fiebert Legenstein dem Baustart der Aktion „alla hopp!“ entgegen.