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Gemeinsam Zeit verbringen

Anita Franz: „Der Sport gehört einfach zum Leben dazu.“

Es ist sehr gemütlich im Zimmer 306 des Helmuth Galda Haus in Buchen. Anita Franz hat Kaffee und Kuchen gerichtet. „Eigentlich dürfte ich gar nicht hier sein“, sagt sie. Acht Monate kämpfte sie gegen eine schwere Herzerkrankung. „Niemand hat geglaubt, dass ich das überstehe.“ Seit drei Jahren wohnt die 85-Jährige nun aber schon im Seniorenheim und erfreut sich des Lebens. Vielleicht hätte sie es nicht geschafft, wenn sie körperlich nicht so gut in Form gewesen wäre.

„Ich habe aber nie Leistungssport betrieben“, sagt Anita Franz fast entschuldigend. Die Zeit, in der sie aufwuchs, war eine andere. Sport war sozusagen Teil des Alltags. Längere Strecken wurden mit dem Fahrrad zurückgelegt, Flüsse wurden durchschwommen, Tanzen gehörte zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Die Erinnerungen kommen nach und nach. Als sie an die Skilanglauf-Fahrten mit ihrem Mann denkt, beginnen die Augen zu leuchten. „Damals gab es noch keine Loipen, wir sind quer durch die Wälder gefahren – das war herrlich!“ Einmal hatte der Gatte einen Freund dabei und die beiden stichelten sich gegenseitig zu Höchstleistungen auf. Da wollte die Dame nicht nachstehen, nahm eine Abfahrt zu schnell und rutschte auf einer vereisten Wurzel aus. „Ich dachte, ich sei in der Mitte auseinandergebrochen. Und was haben die Männer gemacht? Mich in eine Wirtschaft gebracht und mir einen Grog bestellt.“

In Mannheim geboren, zog Anita Franz bereits im Säuglingsalter nach Walldürn. Die gelernte Friseurin schenkte ihrem Mann drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. „Der Sport gehörte einfach zum Leben dazu.“ Weil sie in ihrem Beruf den ganzen Tag stehen musste, waren sportliche Aktivitäten der perfekte Ausgleich. Sie trat dem Turnverein von 1848 bei, ging zum Tanzen oder fuhr mit dem Fahrrad über Berg und Tal. „Wir sind auch oft durch den Main geschwommen – und dabei ganz schön abgetrieben“, erzählt sie. Beliebte Ziele waren Miltenberg, der Kurpark in Bad Mergentheim oder die italienische Küstenstadt Jesolo, wo die Adria zum Schwimmen einlud.

Nach zwei Herzoperationen und im gehobenen Seniorenalter halten sich Häufigkeit und Intensität des aktiven Sporttreibens mittlerweile in Grenzen. Zwei Mal die Woche, jeden Montag und Donnerstag, geht es im Seniorenheim aber noch zur Turn- und Tanzstunde, die in erster Linie dem Muskelaufbau und somit der Sturzprävention gilt. „Frau Franz gehört zu den aktivsten Teilnehmerinnen“, bestätigt Maximilian Mächtlen, der Geschäftsführer des Seniorenheims, der der rüstigen Bewohnerin eine überdurchschnittliche geistige Frische bescheinigt.

Es werden Tücher geworfen und Becher auf Stäben gleichmäßig gedreht, der Herz-Kreislauf gestärkt und die Koordination trainiert. Hände und Füße sind ständig in Bewegung. „Ich hatte vorher steife Finger, jetzt nicht mehr“, freut sich die Dame aus Zimmer Nummer 306. Das liegt auch am Fitnessprogramm „Drums alive“, bei dem mit Trommeln und Rhythmen gearbeitet wird. „Dabei bleibt auch der Kopf fit“, weiß Anita Franz, die – vor allem wenn ihre Töchter zu Besuch sind – gerne Spaziergänge in den nahegelegenen Wäldern unternimmt. Es ist nicht so lange her, da zog sie sich beim Besuch des Grabes ihres Sohnes zwei Wirbelbrüche zu. In der anschließenden Reha sollte sie schwimmen, stieg selbstbewusst ins Wasser – und ging sofort unter wie ein Stein. „Ein Glück befand ich mich am Beckenrand und konnte mich festhalten“, sagt sie. „Ob ich überhaupt nochmal schwimmen kann, weiß ich nicht.“ Und dann kommt die Erinnerung wieder, an Würzburg, an den Main und die Strömungen, an die Zeit, als sie „in jeden See“ gesprungen ist.

Von der Aktion „alla hopp!“ hat Anita Franz gehört. „Buchen hat sich auch um einen Bewegungsparcours beworben“, weiß sie. Sollte die Stadt den Zuschlag erhalten und einer von 18 Standorten werden, stünde eine Fläche im Zentrum zur Verfügung. „Ganz in der Nähe eines Skateparks“, präzisiert Anita Franz. Mit dem Bus wäre der Parcours sehr gut erreichbar. Sie lässt die Gedanken schweifen. „Den alten und jungen Menschen beim Sport zuschauen und im Rollstuhl die frische Luft genießen – das hätte was.“

Anita Franz hat den Kuchen, den sie liebevoll gerichtet hat, nicht angerührt. Das liegt aber nicht an der bewusst sportgerechten Ernährung, sondern daran, dass sie sich in ihren zahlreichen, noch immer sehr lebendigen Erinnerungen verloren hat. „Ich kann jungen Menschen nur raten, viel Sport zu machen und nicht zu rauchen“, sagt sie schließlich. Im Buchener Seniorenheim ist Anita Franz in dieser Hinsicht eine Vorreiterin.